Die Menschen möchten in ihrem Zuhause alt werden. Während die Eintritte in Alters- und Pflegeheime in einem Jahr um 4 Prozent zurückgingen, nahm die Nachfrage nach Betreuung daheim um fast 7 Prozent zu. Dies bestätigt die Vision der grössten Altersfach- und Dienstleistungsorganisation Pro Senectute, die sich dafür einsetzt, dass sich alle älteren Menschen Unterstützung im Alltag leisten können.

Die jüngsten Zahlen über die sozialmedizinische Betreuung in Institutionen und zu Hause 2020 des Bundesamts für Statistik sprechen eine deutliche Sprache: Seniorinnen und Senioren wollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben. Dieses Bedürfnis hat sich im Pandemiejahr 2020 verstärkt. So wurden letztes Jahr in der Schweiz fast vier Prozent weniger Menschen in Alters- und Pflegeheimen betreut als im Jahr 2019 (- 158’433 Klientinnen und Klienten). Dies ist der grösste Rückgang seit 2006. Im gleichen Zeitraum nahm die Nachfrage nach Unterstützung mit Betreuung zur selbstständigen Lebensführung in den eigenen vier Wänden und durch Pflegeleistungen gegenüber 2019 um 6,7 Prozent zu. «Wir wissen, dass ältere Menschen möglichst lange daheim alt werden möchten», so Sonya Kuchen, Mitglied der Geschäftsleitung von Pro Senectute Schweiz. «Wir wissen aber auch, dass 42 Prozent der über 62-Jährigen mindestens eine Form von Betreuung wie Unterstützung im Alltag oder einen Besuchsdienst benötigen, um möglichst selbstständig in den eigenen vier Wänden verbleiben zu können», ergänzt sie.

Betreuung zu Hause muss erschwinglich werden

Diese Betreuungsleistungen zahlen sich gesellschaftlich wie persönlich aus. Denn viele Eintritte in Alters- oder Pflegeheime könnten dank bedarfsgerechter Betreuung daheim nicht nur hinausgezögert, sondern sogar vermieden werden. Aktuell fallen gemäss einer Studie von Pro Senectute nicht primär die Betreuungsbedürfnisse von Menschen ins Gewicht, die körperliche Einschränkungen haben, sondern von jenen, die einsam sind. Im Einzelfall verursacht die Betreuung dieser Menschen nur geringe Kosten, doch in der Summe erweist sie sich als grösster Kostentreiber. Dieser Befund zeigt: Ein funktionierendes Umfeld oder günstige, aber gezielte Unterstützungsleistungen tragen nicht nur dazu bei, Einsamkeit im Alter zu reduzieren, sondern haben erwiesenermassen auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit.

Angehörige, Freunde und Nachbarn leisten heute den Löwenanteil der Betreuungsaufgaben. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch der Bedarf an Unterstützung, womit das Umfeld an seine Grenzen stösst. In diesen Fällen besteht die Herausforderung häufig darin, externe Betreuungsleistungen zu finanzieren. Denn diese gehen heute zu einem grossen Teil zulasten der Betroffenen und werden nicht von der Krankenkasse getragen. «Das können sich viele nicht leisten. Pro Senectute setzt sich deshalb dafür ein, dass politische Lösungen gesucht werden, dass diese Betreuungsleistungen zumindest zum Teil mitfinanziert und für alle älteren Menschen finanzierbar werden», betont Sonya Kuchen.